Gestern vor dem Lager

Wir waren gestern wieder vor dem Lager, zusammen mit Ahmed stehen wir vor dem Tor. Er ist seit 2 Monaten hier in Traiskirchen. Er ist Syrer, hat Wirtschaft studiert und spricht perfektes Englisch. Seit einem Monat ist er unser Dolmetscher und innerhalb des Lagers versucht er die Neuankömmlinge zu informieren wie es weitergeht, soweit man das so bezeichnen kann.

„Weitergehen“. Ein Mann und eine Frau kommen auf uns zu. Die Frau hat ein Neugeborenes auf dem Arm. Der Mann redet auf Ahmed ein. Ahmed erklärt mir das die Frau und das Kind dem Lager Traiskirchen zugeordnet worden sind, ihr Ehemann aber einem Lager in Linz.

Ich gehe zu der Torwache und versuche dem ORS-Mitarbeiter die Situation der Familie zu erklären. Er versteht das Problem, kann aber nichts machen.

Ich werde wütend und verlange nach einem Vorgesetzten, irgendwem, der da was machen kann. Ich soll an das Innenministerium schreiben, sagt der ORS „Beamte“.

Ahmed kommt und deutet mir, es bleiben zu lassen, weil er merkt, dass ich die Kontrolle verliere. Dann sagt er „I know how we do it „. Er ruft seinen Bruder Mohamed an, der auch im Lager ist. Mohamed kommt und geht mit der Frau und dem Kind ins Lager. Der Ehemann, Ahmed und ich gehen auf die Rückseite des Lagers und helfen dem Ehemann über den Zaun zu klettern. Ich habe gerade einem Mann geholfen in dieses Lager, in diese Hölle „einzubrechen“, so dass er bei seiner Familie sein kann. Es ist alles so absurd.

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Ein Kommentar

  1. Petra Süss
    Am 25. August 2015 um 11:53 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich werde, bei Gericht, prüfen lassen, ob das Einschleusen, in ein Lager, für das, vom Staat, ein Aufnahmestopp verhängt wurde, eine Straftat ist.

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  • Die schweigende Mehrheit sagt JA

    JA zur Solidarität mit Menschen in Not!
    JA zu einem Dach überm Kopf für ALLE!
    JA zu einer menschenwürdigen Behandlung von Flüchtlingen!