Bericht von Bernhard Dechant aus Röszke

Bildschirmfoto 2015-09-10 um 14.05.16

Es fällt uns schwer, unseren heutigen Besuch des Lagers in ‪#‎Roeszke‬ in Worte zu fassen.

Heute hat es nicht geregnet und die Lage, auch wenn sie untragbar ist, war ruhig. Selbst die ungarische Polizei hat sich, soweit wir es beobachten konnten, fair verhalten. Wir sind dann zu dem Zaun gegangen, besser gesagt zu dem letzten legalen „Durchgang“ dieses Zaunes und auf einen alten Wachturm gestiegen.
Zusammen mit Syrern/innen und Afghanen/innen Irakern/innen, Somalies/innen haben wir dann einen wunderschönen Sonnenuntergang gesehen, auf diesem alten Grenzturm, und versucht auf ihre Frage zu antworten, was sie denn jetzt tun sollen, hier an dieser Grenze.

Niemand will seine Fingerabdrücke in Ungarn abgeben, alle wollen weiter. Es sind Tausende die hier gestrandet sind und auf die Nacht warten, um irgendwie zu versuchen die letzte Hürde auf ihrem Weg in die Freiheit, Ungarn, zu überwinden. Sie haben uns gefragt, wie es in Österreich ist. Wir haben gesagt: „Besser als hier in Ungarn“, und haben an Traiskirchen gedacht ohne es zu erwähnen.

Zurück im provisorischen Zeltlager, vor dem offiziellen Lager #Roeszke das von Polizisten mit Hunden bewacht wird, hat uns dann eine syrische Familie angesprochen. Vater, Mutter, drei kleine Kinder, ein Baby und ein alter Mann, der Großvater. Der Vater hat sich bedankt, weil wir ihnen Decken gegeben haben und er hat immer wieder gesagt: „We want nothing for us, we don’t want to take you something away, we only want peace for our children“.
Der Großvater, der kaum noch gehen konnte, wollte uns dann unbedingt einen Ausweis zeigen. Es war der Ausweis des syrischen roten Kreuzes, für das er gearbeitet hat.

Lastwagen mit Ungarn auf der Ladefläche, die gelbe Schutzwesten tragen, fahren an uns vorbei: Arbeiter, die den Zaun „vollenden“. Zusammengepfercht auf dem LKW, gekleidet in Gelb, erinnern mich diese Menschen an jene Menschen, zusammengepfercht auf Booten und gekleidet in Orange.

Dieser Zaun ist nicht unser Europa.

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  • Die schweigende Mehrheit sagt JA

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    JA zu einem Dach überm Kopf für ALLE!
    JA zu einer menschenwürdigen Behandlung von Flüchtlingen!